Ein Baby im Tuch oder einer anderen Tragehilfe vor dem Bauch oder auf dem Rücken ist mittlerweile ein vertrauter Anblick. So ist man viel mobiler als mit dem Kinderwagen, und Spaß macht es auch noch – sowohl dem getragenen Baby als auch dem tragenden Erwachsenen! Zudem fördert das Tragen am Körper der Bezugsperson die Bindung zwischen Eltern und Kind.
Kann man eigentlich „falsch“ tragen? Nein! Tragen ist immer gut, ein paar Punkte sollte man dabei aber nach Möglichkeit berücksichtigen:
Anhock-Spreiz-Haltung (ASH)
Diese unterstützt die Ausreifung des nach der Geburt noch knorpeligen Hüftgelenks. Sitzt das Baby im Tuch oder der Tragehilfe, dann sollen seine Knie etwa in Höhe seines Bauchnabels (bei Tragehilfen: etwa auf Pohöhe) sein und nicht gerade nach unten hängen. Der Steg (der Stoff zwischen den Beinchen des Babys) soll von Kniekehle zu Kniekehle reichen und die Oberschenkel stützen, während die Unterschenkel locker baumeln. So ist die korrekte Anhock-Spreiz-Haltung gewährleistet. Die Beine bzw. Knie des Babys sollen dabei leicht gespreizt sein, d.h. im 80° bis max. 90°-Winkel zueinander stehen (bei Neugeborenen noch weniger). Aber keine Angst, du musst den korrekten Winkel nicht mit dem Geodreieck ermitteln!
Übrigens, wenn man ein Baby hochhebt, dann nimmt es diese Anhock-Spreiz-Haltung spontan ein, sie muss also seinen anatomischen Gegebenheiten entsprechen.
Gerundeter, aber gut gestützter Rücken (Kyphose)
Im Mutterleib liegt das Baby zusammengerollt, mit gerundetem Rücken. Anders hätte es darin gar keinen Platz. Und diese Rundung bleibt auch nach der Geburt noch für einige Monate erhalten. Man nennt diesen Rundrücken „Totalkyphose“. Erst im Lauf des ersten Lebensjahres entwickelt sich die typische S-Form der Wirbelsäule in drei Schritten bis zum Beginn des selbständigen Laufens aus:
1. Zuerst strecken sich die Halswirbel: das Baby kann sein Köpfchen halten.
2. Dann strecken sich die Brustwirbel: das Baby kann alleine sitzen.
3. Und schließlich strecken sich die Lenden-Wirbel und tragen das Gewicht des Babys: es zieht sich zum Stehen hoch und macht seine ersten Schritte.
Achte beim Tragen stets darauf, dass der Rücken rundum gut gestützt ist, so dass das Kind in der Tragehilfe nicht in sich zusammensackt, es muss fest am Körper des Trägers sitzen. (Tip: beim Nach-vorne-Beugen soll das Kind nicht vom Körper des Trägers weg“fallen“.) Das Tragetuch bzw. das Rückenteil der Tragehilfe soll also den Rücken rundum eng umschließen und stützen, aber dennoch eine Rundung zulassen.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Tragehilfe soll sich ans Kind anpassen, nicht umgekehrt. Besonders vorteilhaft ist daher der sog. querelastisch gewebte „Tragetuchstoff“. (Mittlerweile gibt es übrigens auch empfehlenswerte Tragehilfen aus Tragetuchstoff, diese sind insbesondere für junge Babys vorzuziehen.)
Übrigens: Gerundeter Rücken und Anhock-Spreiz-Haltung bedingen sich gegenseitig.
Symmetrische Körperhaltung
Das Baby soll nicht schief in der Tragehilfe sitzen, also am besten immer nochmal vor dem Spiegel kontrollieren (v.a. anfangs, wenn man noch ungeübt ist) und nötigenfalls korrigieren.
Aufrechte Haltung
Für eine gesunde Entwicklung der Hüfte und der Wirbelsäule ist die aufrechte Position am besten. (In der liegenden „Wiege“ ist beispielsweise keine ASH möglich.)
Optimale Trageposition: mit dem Gesicht zum Tragenden.
Warum? Bei der Orientierung nach vorn finden die Beinchen keinen Halt am Körper des Trägers und hängen in unphysiologischer Haltung herab, außerdem wird das Kind in dieser Trageposition automatisch ins Hohlkreuz gezwungen. Zudem kann sich das Kind nicht ankuscheln, was besonders wichtig ist, wenn ihm die Umweltreize zuviel werden oder wenn es durch das Gesehene verunsichert wird.
„Bad Wrap Day“?
Nicht immer klappt es perfekt mit der richtigen Haltung beim Tragen. Auch die „Profis“ haben ab und zu einen bad wrap day, wo das Tuchbinden nicht so recht klappen will. Trotzdem überwiegen auch in einem nicht perfekt gebundenem Tuch oder einer nicht ganz optimalen Tragehilfe die Vorteile des Tragens! Denn Tragen ist IMMER gut fürs Baby!
Übrigens, …
… zwei Drittel der Weltbevölkerung tragen auch heute noch.
… in Kulturen, in denen viel getragen wird, sind Rückenprobleme kaum verbreitet.
